Hundegründe

Unsere Tochter hat nunmehr ein Alter erreicht, an dem sie schon mal morgens um 10 zu einem Kindergeburtstag geht, um 13 Uhr anruft und fragt ob sie noch bleiben und man dann so gegen 20 Uhr mal nachfragen muss, ob sie nach Hause kommt. Mithin eine Zeit, in der es für die Eltern endlich mal ruhiger wird und man sich auch mal ein paar Stunden auf einem Liegestuhl im Garten aufhalten kann.


Eine Zeit der Ruhe, des Friedens und der entspannten Kommunikation, sozusagen ein paradiesähnlicher Zustand. Doch irgendwo arbeitet es im Hintergrund an Stellen, auf die der menschliche Denkapparat nur geringen Einfluss hat. So kommt es, dass wir im Frühjahr des Jahres 2015 einen Gedanken hervorholen, weiterverfolgen und nicht mehr loslassen, den wir uns Kraft unseres freien Willens (als wir den noch hatten) weit nach hinten in der Lebensplanung verschoben hatten: ein Hund muss ins Haus.

Dass die Tochter – die wir erst später in den Gedankenprozess einbezogen haben – davon begeistert war, verwundert uns nicht. Sie hätte sowieso gerne noch Familienzuwachs, der anderweitig aus vielfältigen Gründen nicht mehr möglich ist. Wir Erwachsenen hingegen wundern uns schon über uns selbst, und vor allem darüber, dass sich so schnell eins zum anderen findet und wir bereits Ende August mit dem Einzug eines Welpen nicht nur unseren Hausstand erweitern sondern damit auch weite Teile unseres Lebens umkrempeln werden – und das in unserem Alter!

Gründe für die Anschaffung eines Hundes gibt es mindestens so viele wie Gegenargumente, auf selbige hört der geneigte Hundefreund aber natürlich nicht. Nicht, dass wir mit Teilzeitarbeit, Teilzeitselbständigkeit, Fassnachtsverein, Heimat- und Verkehrsverein und anderen Aktivitäten nichts zu tun hätten, aber der unterbewusste Wunsch nach einem Hund war ganz einfach da und verknüpfte sich natürlich für jedes Familienmitglied mit anderen Gründen.

Für mich verbindet sich mit einem Hund der Gedanke, dass während der Arbeit im Homeoffice stets der behaarte Gefährte an den Füßen unter dem Schreibtisch liegt und auf die Frage „Soll ich mal eine Kaffeepause machen?“ zustimmend wufft. Noch gehe ich davon aus, dass meine Produktivität die Zahl meiner Kaffeepausen exponentiell steigt.

Die Tochter wünscht sich den Hund, damit sie einen permanenten Spielkameraden hat (wobei wir ihr das mit dem permanent hoffentlich schon ausgeredet haben) und jemanden, der sich gemeinsam mit ihr gegen die ausbeuterischen und eigentlich dem Jugendamt zu meldenden Verstöße gegen die Ausübung des Artikel 6 (2) Grundgesetz (Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht) wehrt bzw. ihr wenigstens hilft, den Müll rauszutragen.

Die Frau nimmt den Hund als Anlass zu mehr Bewegung außerhalb des Hauses, ohne gleich ins Fitnesstudio zu rennen. Vermutlich antwortet so ein Hund auf Ansprache sogar häufiger als der Ehemann und ist williger, Befehle auszufühen als Ehemann und Tochter.

Als Paar hoffen wir, dass wir auch gemeinsam mal wieder außerhalb des Hauses zu Fuß unterwegs sind.

Außerdem leben wir in einer Hundestraße. Praktisch jeder unserer Nachbarn ist schon (länger) auf den Hund gekommen, da kann man nicht nicht mitmachen und wir galten mit unseren Karnickeln schon fast als Aussätzige. Doch nach dem Dahinscheiden der Kaninchen hat sich in unserem Leben eine Lücke aufgetan, die es zu füllen gilt und hier kommt der Hund ins Spiel.

So viel also zu unserer Entscheidung, und nun ging es nur noch darum, den passenden Hund und den passenden Zeitpunkt zu finden. Der zukünftige Hundebesitzer im Jahr 2015 wartet ja nicht einfach, bis ihm ein passendes Exemplar vor die Füße läuft, er hat die unendlichen Weiten des Netzes, um sich im Vorfeld genauestens zu informieren, mit Material und Futter einzudecken und für alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Die Welt der Hundeblogs und diversen Theorien, die sich um Erziehung und Ernährung des Vierbeiners ranken, ist eine außerordenlich interessante und man könnte vermutlich so einiges an Diplomarbeiten darüber verfassen; das lasse ich mal lieber, aber wer weiß, diese Welt zu beschreiben und vielleicht den ein oder anderen Einblick in eine Welt zu gewähren, die auch uns bis vor kurzem als Nicht-Hundebesitzer noch so verschlossen war und in die wir nun langsam und unaufhaltsam hineingezogen werden, könnte spannend werden. Mal sehen, ob da noch Blogbeiträge draus entstehen…

LinHead

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LinHead ist der Betreiber dieser Website. Irgendwas zwischen 40 und 50.
Lieber auf dem Dorf als in der Stadt, lieber Kneipe als Theater, lieber Bratwurst als 5 Sterne, lieber Twitter als Facebook...
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